StartseiteGeschichteMargaretenkirche

Die Margaretenkirche

Die Kirche in Ochsenburg ist viel älter als die Ochsenburger Kirche.

An derselben Stelle stand eine mittelalterliche Kapelle, über deren Bauzeit nichts bekannt ist (die Herren von Ochsenberg werden erstmals 1231 erwähnt). Diese Kapelle gehörte zur Pfarrei Kürnbach, bis dann 1481 eine eigene Pfarrstelle eingerichtet wurde (der Taufstein von 1478 lässt ahnen, dass es dazu eine Vorgeschichte gab).

1602 werden ein 'Unser lieben Frauen Altar' und eine ’St. Margareten Pfründ’ genannt. Aus der Zeit jenes ersten Kirchengebäudes stammen die vielen Grabdenkmäler der örtlichen Grundherrschaft von Sternenfels und von Verwandten dieser Familie. Der älteste dieser Grabsteine findet sich oben hinter der Empore. Henel (?) Wilhelm, Kind des Georg I. von Sternenfels (+ 1480); dann folgt (linke Seitenwand hinten) die Großmutter dieses Kindes - Agnes von Gültlingen, verwitwete Böcklin von Eutingertal (+ 1494), deren Wappen sich auch auf dem Taufstein findet. 




Der Kirchhof wird im 16. Jahrhundert zu eng; 1564 lässt Georg III. von Sternenfels den 'neuen' Friedhof vor den Toren des Städtleins anlegen, der nach mehreren Erweiterungen (die jüngste wird jetzt im Jahr 2002 angegangen) noch in Gebrauch ist.

Neben dem mittelalterlichen Kirchturm war eine Gruft der Familie von Sternenfels, doch berichtet Dr. G. Aßfahl auch von Gräbern in Chor und Schiff der alten Kirche. Auf dem neuen Friedhof wurde eine neue Familiengruft eingerichtet.


In den Jahren 1727/28 ließ Ludwig Bernhard von Sternenfels die alte Kirche abreißen. Sie war inzwischen zu klein und baufällig geworden. Der alte Chorturm blieb stehen, das neue Kirchenschiff war an ihn angeschlossen. Das neue Kirchenschiff sollte ca. 10 x 10m, messen bei einer Höhe von 6,7m, mit Eingängen von drei Seiten (im heutigen Mauerwerk sind sie noch erkennbar). Im Chor war ein Steinkreuz als Deutschordenswappen (heute an der Stirnwand) - der Deutschorden hatte nach Mitteilung von Dr. Aßfahl die Baulast des Kirchturms (und in mittelalterlichen Zeiten das Besetzungsrecht der Pfarrstelle - aber auch noch 1602 Zehntrechte auf der Ochsenburger Gemarkung).


Die gotische Kanzel (heute auf einer Renaissancesäule) stammt sicher aus dem ersten Kirchenbau, die Glocke von 1558, gegossen von Hans Neiffer mit der Inschrift 'Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit' (lat.).blieb auch.

Grundsteinlegung für den Neubau des Ludwig Bernhard war am 25.08.1727 (Namenstag des Bauherren), die feierliche Einweihung, zu der der Bauherr selbst die Gottesdienstordnung aufgesetzt hatte, am 10.08.1728.

Eine Neuerung war wohl die Orgel (auf dem Stifterbild extra genannt).



Der Erbauer der Kirche von 1727/28 hat noch in seinem Sterbejahr sich ein Stifterbild als 'Monumentum' 'sezen lassen' - heute an der linken Seitenwand, vor 1958 an der Stirnwand. Von den auf dem Bild dargestellten fünf Söhnen und vier Töchtern hat ihn, der knapp 41 Jahre alt wurde, nur die älteste Tochter (verheiratete von Berlichingen) überlebt.

Der Maler des Stifterbildes, von dem auch die Apostel- und Prophetenbilder an Emporenbrüstung und Seitenwänden stammen, hieß Glocker.



Die Kirche war wohl zunächst für die Gemeinde groß genug. Aber um 1770 beginnen die Klagen, dass der Platz nicht ausreicht; Männer und Kinder mussten während des Gottesdienstes stehen. Der Rechtsstreit um die Baulast dauerte Jahrzehnte. Es kam auch zu Bauschäden (so stürzte 1788 während des Gemeindegesangs der Kanzeldeckel ab, ohne Verletzte); vor allem der Turm war baufällig, er stammte ja noch aus dem Mittelalter.

1821 kam es dann zur neuen Grundsteinlegung (21.05.), nachdem das Haus Württemberg bereit war, die Kosten zum großen Teil zu übernehmen. Die Fläche des Kirchenschiffs wurde verdoppelt. An der Rückseite und an der linken Längswand war eine Empore. Der heutige Turm wurde mit Steinen des Schlossturms gebaut. Eine neue Orgel und Kirchenuhr waren in der Finanzierung nicht drin. Am 23.12.1821 war dann die Einweihung der erweiterten Kirche.

Die beiden Glocken (die kleinere von 1558) wurden 1842 umgegossen.

Die kleinere Glocke von 1842 (und die Zinnpfeifen der Orgel) musste am 27.06.1917 abgeliefert werden; nach dem Krieg war sie nicht mehr auffindbar. 1922 wurde sie ersetzt.

1942 wird die große Glocke abgeholt und eingeschmolzen 1950 wird die Ersatzglocke gegossen.

1963 ist der Glockenstuhl unsicher geworden; 1965 wird die dritte Glocke in den eisernen Glockenstuhl eingebaut.

1843 wurden die beiden Rampen am westlichen Eingang durch eine Treppe ersetzt. Dabei fand man den Grundstein von 1727, der offenbar ziemlich direkt auf den Boden gesetzt worden war (wiedergefunden 1984 durch KGR Hermann Heidinger - der Inhalt ist seither moderner).

Schon im Lagerbuch von 1602 ist die Rede vom 'Richten der Uhr'. 1904 wird für eine neue Kirchenuhr privatim gesammelt; 1906 wird der Kauf einer neuen Kirchenuhr vom Konsistorium genehmigt (das Uhrwerk ist noch vorhanden). 1982 wird eine neue Uhr (Funkuhr mit Quarzsteuerung) eingebaut.

1958 wurde die Kirche gründlich renoviert und umgestaltet: die linke Seitenempore wird entfernt, die Empore auf der Rückseite vergrößert und der Altarbereich auf das heutige Niveau angehoben Die beiden Seitentüren von 1727/28 werden zu Fenstern Die Orgel muss wegen Holzwurm durch ein geliehenes Harmonium ersetzt werden, bis 1960 die neue Orgel aufgestellt wird.

Das Kruzifix an der Stirnwand (1680) wurde 1960 von der Kirchengemeinde Benningen erworben. Es stammt ursprünglich aus Hohenbeilstein.



Insbesondere der Taufstein von 1478 mag viele Ochsenburger Gemeindeglieder daran erinnern: Sie selbst und viele ihrer Vorfahren wurden hier getauft. Christlicher Glaube, christliche Hoffnung und Nächstenliebe haben hier ihren Ort - es gilt, die Linien fortzuführen.

Ernst Göhner